l'auberge espagnol war wohl ähnliche, aber hier ist alles anderes: Ich bin für 6 Monate im kalten Warschau. Die Sprache ist relativ unlernbar und wird sogar von den Polen als angeblich zweitschwerste Sprache der Welt bezeichnet. Ein schlichtes „Hi“ heißt hier „Czesc“ und birgt bereits drei verschieden Zischlaute. Daher der Titel den Blogs „nie movie popolsku“, der wichtigste Satz, „ich spreche kein Polnisch“. Was ich hier so erlebe schreibe ich teilweise im Blog nieder.

Tuesday, November 28, 2006

Gutes Warschau – schlechtes Warschau

Die Weichsel teilt die Stadt wie Martin seinen Mantel, das sieht auch ein blinder mit Krückstock. Dieser würde vermutlich auf der Ostseite wohnen denn da beginnt wie viele hochnäsige Wawaer sagen Asien. Tatsächlich sieht es „da drüben“ anders aus als „im Westen“ was meiner Meinung nach daran liegt, dass im Zweiten Weltkrieg die Nazis Wawa dem Erdboden gleichgemacht haben und daher große Teile durch sozialistische Beton- Retro- Vergewaltigungen ersetzt wurden. In „Praga“ hielt sich dagegen die Rote Armee auf und schaute den Deutschen zu, was zwar nicht schön ist, aber dafür stehen hier die alten Häuser noch. Zwar ist nichts renoviert und vieles verkommen, dafür kann man in zahlreichen Hinterhöfen „Marterl“, Marienstatuen und Minialtäre entdecken. Den Preis für die abgefucktesten aber trotzdem stylischten Hinterhöfe Europas würde ich übrigens auch hier verleihen. Der Eingeborene dieser Stadt war in der Regel seit mehreren Jahren nicht mehr dort- das ziemt sich nämlich nicht – und erzählt nach wie vor seine Geschichten, dass man schon fast tot ist, bevor man das andere Ufer erreicht und das es da nur Asiaten, Mafiosis, Sandler und Studenten gibt. Das ist aber nur teilweise richtig.

Von Praga werde ich in bälde mehr und mehr berichten, heute geht es erst mal um den so genannten „Jahrmarkt Europa“, kurz Russenmarkt genannt, von dem die Warschauer wiederum behaupten, dass man da neben Leder und Kosmetik auch Uzzi und Bären kaufen könne. Gleich nach der Brücke erhebt sich ein Schutthügel, in den Russischen Besatzer seinerzeit ein ganz ordentliches Stadion gegraben haben. Da das seit 1990 aber keiner mehr haben will, hat sich darin und darauf zunehmend ein Markt entwickelt. Auf angeblich 5000 Ständen verkaufen Russen, Kasaken, Ukrainer, Vietnamesen, Mongolen und Afghanen alles was man sich vorstellen kann und alles andere sowieso. Bis vor wenigen Jahren haben hier angeblich die Russischen Soldaten aus Tschetschenien ihre Waffen verkauft und westlichen Journalisten soll es 1996 wohl gelungen sein einen Panzer zu bestellen. Die guten Zeiten sind aber auch hier vorbei und die neue Regierung kontrolliert den Markt immer stärker. Daher gilt je illegaler, desto weiter oben auf dem Wall, da man wenn Polizei anrückt noch schnell seinen Kram packen kann und ab. So beginnt der Markt mit Pelzen, Handschuhen, Handys, Uhren, Radios, Töpfen, Strümpfen und endet mit Turnschuhen, DVDs, Knarren, Pfeffersprays, Selbstgebranntem aus dem Kaukasus, Zigaretten aus Russland und Wodka aus der Ukraine.

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